Kapellenweg 14, Otze

Hedwig Harsleben geb. Lippmann war Tochter jüdischer Eltern und kam aus Elberfeld, wo sie 1873 geboren worden war. Vor ihrer Heirat mit dem Textilkaufmann Karl Harsleben aus Hannover ließ sie sich evangelisch taufen. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, Anneliese (geb. 1901) und Günter (geb. 1909).  Karl starb 1923 oder 1924 an der Spanischen Grippe.  Hedwig führte die Handelsvertretung weiter, bis der Sohn seine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen hatte. Um ihre Einnahmen aufzubessern, vermietete sie Wohnraum an den späteren Gauleiter des Gaus Süd Hannover-Braunschweig, Hartmann Lauterbacher, der bis zu ihrer Ausbombung in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 lt. ihrem Enkel Lothar „seine schützende Hand über sie hielt“. Heinrich Himmler kritisierte solche Praktiken zynisch, schließlich könne nicht jeder an seinem „Privatjuden“ festhalten. Hartmann Lauterbacher ordnete im September 1941 die Ghettoisierung der ca. 1.200 Hannoveraner Juden in 15 Judenhäusern an. Diese sog. „Aktion Lauterbacher“ war die Vorstufe zu der im Dezember 1941 beginnenden Deportation der hannoverschen Juden in die Vernichtungslager. In Hannover musste Hedwig Harsleben den Judenstern tragen. Am 10. Oktober 1943 entfernte sie den Judenstern und zog nach Otze auf den Hof der Eheleute Wilhelm und Frieda Brönnemann geb. Homann, wo sie bis Februar 1951 lebte. In den Jahren zuvor hatte Hedwig bei Wilhelms Mutter Mathilde (geb. Rogge, Jhg. 1866) Obst und Gemüse gekauft, wohl auch schon manchmal „Urlaub auf dem Bauernhof“ gemacht. Die beiden Frauen müssen sich gut verstanden haben. Sie kam mit ihrem Sohn Günter und dessen Braut Ilse Bloehm, die wegen Günters jüdischer Vorfahren nicht heiraten durften. Nach ihrer Flucht aus Schlesien kamen im März 1945 auch noch die Tochter Anneliese Groebner geb. Harsleben und ihr Mann Lothar mit den Söhnen Lothar jun. und Klaus auf dem Hof der Brönnemanns unter. Lother Groebner jun. schrieb 2008 an Rudolf Bembenneck: „Willi und Frieda Brönnemann haben durch ihre Menschlichkeit das Überleben von meiner Großmutter und meinem Onkel und meiner Mutter ermöglicht, sich dabei aber selbst in große Gefahr gebracht.“ 

Hochzeit Brönnemann 1946

Hochzeit von August Frese und Frieda Brönnemann am 03.05.1946. Rechts neben dem Bräutigam stehen die Eltern der Braut, Wilhelm Brönnemann und Frieda geb. Homan. Vorne rechts mit Pelz und Handtasche Großmutter Mathilde Brönnemann geb. Rogge. Leicht rechts über der Braut ist Hedwig Harsleben zu sehen.

Wilhelms Bruder Emil hat mit seiner Frau Erna, geb. Krüger (beide zwischen-hinter Bräutigam und Eltern der Braut), ebenfalls Anstand und Menschlichkeit bewahrt, indem er mit dem jüdischen Schlachtermeister Hermann Cohn aus der Gartenstraße 9 in Burgdorf weiter Geschäfte machte, als das staatlicherseits längst unerwünscht war und polizeiliche Maßnehmen nach sich zog.

Auf Antrag des Ortsrats und Urenkels von Mathilde Brönnemann, Otto Raguse, soll der neugestaltet Platz vor der Feuerwehr „Brönnemann-Platz“ benannt werden und so ein bleibendes Zeichen dafür werden, was Zivilcourage bedeuten und kann.